Dissoziation als lebensstil, Teil I

Womit wir assoziieren, wenn wir dissoziieren.

Ein Fortbildungsseminar mit Johannes Benedikt Schmidt 

Daten: Neues Datum - Freitag bis Sonntag, 1. bis 3. Februar 2019

Dissoziation ist ein sensibles und schwieriges Gebiet. Es ist immateriell, sehr verinnerlicht und damit wenig greifbar, oft spekulativ, nicht beschreibbar und wenig in seiner Originalität begriffen. Während alltagsnormale Dissoziationsfähigkeit Wahlmöglichkeiten, Konzerntration, Kreativität, Träumen und ein sich blösen von einengenden Mustern ermöglicht, wird chronische oder patholgische Dissoziation oft zu einem besonderen Erlebens- und Lebensstil. 

Dieser Lebensstil ist gekennzeichnet durch extreme Formen von Regulationsversuchen, oftmals begleitet von Substanzmissbrauch, selbstschädigendem Verhalten, fehlender Anteilnahme, Stupor (diesem Starrezustand des ganzen Körpers bei wachem Bewusstsein), von Amnesien, Desorientierung, Intimitäsverlust, vielschichtiger Erstarrung und fehlenden vitalen Lebenszusammenhängen. Von Aussen betrachete ist das Verhalten oft unverständlich, uneinfühlbar und übersensibel. Die Störung des innern Zusammenhanges von Bewusstsein, Gedächtnis, Identität und Wahrnehmung kann mehr oder weniger subtil, unscheinbar oder auch massiv und aufföllig sein. 

Oft sind Dissoziationen um bestimmte innere Reaktionsmuster herum organisiert, wie z.B. Gefühle, Gedanken, Flashbacks, Selbstbilder oder innere Anteile, die eine reguläre Teilnahme an alltäglichen Lebensvollzügen zur ganz individuellen Heldenreise machen. Ein zusammenhängendes, nachvollziehbares Gefühl von Selbst, Identität und Ganzsein ist nicht überdauernd möglich, obwohl das Dissozieren selbst von den Betroffenen oft nicht als solches wahrgenommen wird. Der innere Bezugsrahmen, die Welt, in der wir innerlich leben, ist zu sehr zur Alltagsgewohnheit geworden.
Trotz dieser Schwierigkeiten müssen TherapeutInnen Zugang zu dieser inneren Sonderwelt (oder Sonderabwesenheit) finden: Jemand sitzt vor uns und ist nicht da. Das Nicht-Fühlen von Kontakt macht oft ratlos, holflos und unsicher. Was kann ich hier tun? Wie kann ich mich in Beziehung setzen? Fragen, die für die Begleitung solcher KinentInnen elementar sind - und im Seminar natürlich thematisiert werden.

Der Beginn von chonischer Dissoziation liegt meist in traumatischen Erfahrungen - oftmals aus sehr frühen Lebensabschnitten, während denen sich einzelne Funktionseinheiten kohärenten Erlebnes und wirksamer Selbstregulation zu integrieren versuchten. Die verändert Nutzung und das andersartige Erleben innerer und äusserer Erlebnisräume scheint im Dissoziationsprozess eine Rolle zu spielen. Die Art wie Raum, Raumerfahrung und Raum-Zeit innerlich nutzbar gemacht werden, könnte ein Schlüssel sein für äusserliche und innere Kontaktanbahnung. Diese form von Annäherung an Kontakt wiederum könnte schüchternen Zugang und ein Sich-Beziehen in feinfühliger Form ermöglichen.
Der im Menschen tiefsitzende Wunsch nach Teilhabe, Verbindung, Kontakt, Integration, Ganzheit, Zugehörigkeit, Lebensgefühl und Lebensfülle ist die treibende Kraft von gradueller Selbstintegration. Es ist eine Suche nach geführtem Kontakt, einladender Orientierung, die der Person dabei hilft, sich selbst als kohärent, ganz und präsent in die Gegenwart des Hier-und-Jetzt bringen zu lassen. Durch behutsam titrierten Kontakt in subtilen Begegnungsräumen, durch feindosierte Lebenserotik, durch abgestimmte Anziehung lebensstiftender Integrationskraft und Verdichtung, kann sich jemand neu finden, sich als Ganzheit organisieren und das einfache Wohlgefühl von primärem So-Sein erleben. Eine in uns wohnende integrierende Kraft erweist sich als wirksam, wenn die Bedingungen günstig sind. Sie zieht Menschen in ihre Bahn und ihren Bann und führt zu Flexibilität innerer Anpassung, Stabilität, Kraft und Teilhabe.

Dies ist ein Seminar für Befremdliches aus der oftmals entkörperten Welt der Dissoziationen. Wir beschäftigen uns mit dem sich vertraut machen mit Unvertrautem, mit dem Vorwagen in die oft sublime und subtile Welt unerforschter Innen- und Aussenräume. Manchmal braucht es beinahe nichtsinnliche Wahrnehmung, um die Richtung zu finden, sich im Hier-und-Jetzt zu orientieren und einer unbekannten Sicherheit zu vertrauen, das Wagnis des Seins und ein gefühltes Risiko des Hier-Seins einzugehen. Behutsam integriert und verdichtet wird aus mehr und mehr Sein schliesslich Teilhabe.

Teilnahmevoraussetzungen: 

Personen, die die volle Verantwortung für sich übernehmen wollen und über eine normale seelische und körperliche Belastbarkeit verfügen. Muss ärtzliche oder psychiatrische Hilfe benötigt werden, ist ein Vorspräch angesagt. Es kann teilgenommen werden mit einem eigenen Anliegen oder zu eigenen Weiterbildungszwecken ohne Anliegen. Zielgruppe: Dies ist nicht in erster Linie ein Selbsterfahrungs- sondern ein Lehrsaminar und richtet sich deshalb an:

Leitung: Johannes Benedikt Schmidt

Johannes Benedikt Schmidt

Johannes Benedikt Schmidt

Dr. Dipl. Psych., Weiterbildungen in Verhaltenstherapie, Hypnotherapie, systemischer Familientherapie, Systemischer Supervision, körperorientierte Trauma-Arbeit (Somatic Experiencing, strukturelle Dissoziation, Brainspotting, Psychotraumatherapie (DeGPT) und Kraniosakraler Biodynamik. Seit 1995 Tätigkeit in eigener Praxis und seit 2004 als Gründer und Leiter der Aptitude Academy. Internationale Seminar- und Lehrtätigkeit. Als Psychotherapeut und Berater sagt man ihm nach, die Dinge auf den Punkt zu bringen. Er verfügt über einen wohlwollenden Humor und ist ein geschätzter Mitarbeiter bei vielen Kooperationspartnern. Johannes Klarheit und Ehrlichkeit wird für manchen zur Herausforderung und ist für andere befreiend.

Ort:

Lalibella - Raum für Räume 
Dorfbachstrasse 30 
3098 Köniz bei Bern 

Arbeitszeiten:

1. Tag: 09.30 – 13.00 Uhr und 14.30 – 17.30 Uhr
2. Tag: 09.30 – 13.00 Uhr und 14.30 – 17.30 Uhr
3. Tag: 09.30 – 13.00 Uhr und 14.30 – 16.00 Uhr

Kosten: 

Fr. 740.-- für TeilnehmerInnen inkl. Pausensnack

Fr. 445.00 für WiederholerInnnen inkl. Pausensnack

Anmeldung:

Anita Kocher (Gale)
Dorfbachstrasse 82, 
3098 Köniz bei Bern 

e-mail:a.gale@bluewin.ch 
Tel. 031 971 71 38 
www.Lalibella-seminare.com